90 Tage VELA™: Was bleibt, wenn die Ausbildung längst vorbei ist?

Eine Breathwork-Ausbildung kann intensive Erfahrungen ermöglichen.
Menschen fühlen sich danach ruhiger, klarer, verbundener. Sie erleben Emotionen, spüren ihren Körper anders und nehmen sich selbst bewusster wahr.
Aber genau das ist nicht die Frage, die wir mit VELA™ beantworten wollen.
Denn eine intensive Erfahrung ist noch keine nachhaltige Veränderung.
Die entscheidende Frage ist: Was bleibt, wenn die Ausbildung vorbei ist und das normale Leben wieder beginnt?
Genau dafür wurde VELA™ entwickelt.
Wir wollen nicht nur zeigen, was Breathwork während einer Ausbildung bewirken kann.
Wir wollen untersuchen, ob sich daraus Fähigkeiten entwickeln, die in den Alltag integriert werden – und sich möglicherweise sogar nach dem Ende der Ausbildung weiterentwickeln.
Im Frühjahr 2026 haben wir deshalb zwölf Teilnehmende unserer VELA™ Breathwork Ausbildung auf Korfu über 90 Tage begleitet.
Vier Messzeitpunkte.
Fünf etablierte Fragebögen.
Und ein Ergebnis, das uns selbst besonders aufmerksam gemacht hat:
Einige der wichtigsten Veränderungen waren am Ende der Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen.
Wir wollten nicht wissen, wie es den Menschen am letzten Tag geht
Das wäre die einfachste Messung gewesen:
Tag 1 messen.
Zwei Wochen Breathwork machen.
Tag 14 messen.
Fertig.
Aber genau diese Messung beantwortet nur eine begrenzte Frage:
Wie verändert sich ein Mensch während einer intensiven Ausbildungszeit?
VELA stellt eine andere Frage:
Was passiert danach?
Deshalb haben wir vier Messzeitpunkte gewählt:
- Tag 1: Beginn der Ausbildung
- Tag 14: Ende der Ausbildung
- Tag 28: zwei Wochen zurück im Alltag
- Tag 90: rund zweieinhalb Monate später
Der letzte Messpunkt ist dabei besonders wichtig.
Denn an Tag 90 waren die Teilnehmenden längst wieder in ihrem normalen Leben.
Keine gemeinsame Ausbildung.
Keine tägliche Begleitung.
Keine Gruppe.
Kein Retreat.
Nur das, was aus der Ausbildung mitgenommen wurde.
Und genau das ist der Punkt, an dem sich für uns zeigt, ob Integration tatsächlich stattgefunden hat.
Die Ergebnisse nach 90 Tagen
Die Veränderungen zwischen Tag 1 und Tag 90 sind deutlich.
| Parameter | Tag 1 | Tag 90 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Wahrgenommener Stress (PSS-10) | 18 | 9 | −50 % |
| Stress (DASS-21) | 19 | 10 | −47 % |
| Angst (DASS-21) | 12 | 5 | −58 % |
| Niedergeschlagenheit (DASS-21) | 9 | 4 | −56 % |
| Negatives Gefühlserleben (PANAS) | 10 | 4 | −60 % |
| Positives Gefühlserleben (PANAS) | 26 | 32 | +23 % |
| Resilienz (RS-14) | 66 | 72 | +9 % |
| Körperwahrnehmung (BAQ) | 80 | 99 | +24 % |
Alle Angaben beziehen sich auf die Gruppenmediane.
Auf den ersten Blick könnte man sagen:
Stress ist um 50 Prozent gesunken.
Angst sogar um 58 Prozent.
Negatives Gefühlserleben um 60 Prozent.
Körperwahrnehmung ist um 24 Prozent gestiegen.
Das sind bereits bemerkenswerte Veränderungen.
Aber die eigentliche Geschichte steckt nicht in der Differenz zwischen Tag 1 und Tag 90.
Sie steckt im Verlauf dazwischen.
1. Das Retreat-Gefühl geht zurück. Die Fähigkeit wächst.
Das positive Gefühlserleben war am Ende der Ausbildung am höchsten.
Das ist erwartbar.
Zwei intensive Wochen mit einer engagierten Gruppe, klarer Struktur, Abstand vom Alltag und täglicher Praxis erzeugen einen besonderen Zustand.
Nach der Rückkehr nach Hause ging dieser Effekt teilweise zurück.
Und genau das ist interessant.
Denn andere Parameter verhielten sich anders.
Während das unmittelbare Gefühlshoch wieder etwas abnahm, entwickelten sich Körperwahrnehmung und Resilienz weiter.
Das bedeutet:
Das, was sich kurzfristig gut anfühlt, ist nicht unbedingt das, was langfristig bleibt.
Und das ist für VELA™ zentral.
Wir interessieren uns nicht primär für den Zustand.
Wir interessieren uns für die Fähigkeit.
Ein Mensch muss sich nicht drei Monate lang euphorisch fühlen.
Er muss seinen Körper besser wahrnehmen können.
Er muss Belastung früher erkennen können.
Er muss lernen, mit seinem eigenen Zustand anders umzugehen.
Genau das verstehen wir unter Integration.
2. Das eigentlich Sensationelle passiert nach der Ausbildung
Hier liegt für uns der bemerkenswerteste Befund.
Zwischen Tag 28 und Tag 90 gab es keinen weiteren formalen Ausbildungsprozess.
Und trotzdem entwickelten sich mehrere Parameter weiter in die gewünschte Richtung.
Die Körperwahrnehmung stieg noch einmal um rund 3 Punkte.
Die Resilienz stieg um weitere 1,5 Punkte.
Die Angstwerte reduzierten sich nochmals um rund 3 Punkte.
Das mag auf den ersten Blick nicht spektakulär wirken.
Aber man muss sich anschauen, wann diese Veränderungen stattgefunden haben.
Nicht während der Ausbildung.
Danach.
Nachdem VELA™ beendet war.
Genau das ist der Grund, warum wir diese Messung überhaupt durchführen.
Denn wenn eine Methode nur während einer intensiven Ausbildungsumgebung funktioniert, ist das interessant.
Wenn die Veränderung aber mit zurück in den Alltag genommen wird und sich dort weiterentwickelt, ist das etwas grundlegend anderes.
Dann sprechen wir nicht mehr nur über einen Zustand.
Dann sprechen wir über Integration.
3. Körperwahrnehmung: +24 Prozent
Besonders deutlich zeigt sich das bei der Körperwahrnehmung.
Der Median stieg von 80 auf 99 Punkte.
Das entspricht einer Verbesserung von rund 24 Prozent.
Damit ist die Körperwahrnehmung der Parameter mit der größten absoluten Veränderung über die gesamte Messreihe.
Aber noch wichtiger:
Sie war am Ende der 90 Tage höher als zu jedem früheren Messzeitpunkt.
Die Entwicklung endet also nicht mit dem Ende der Ausbildung.
Sie setzt sich fort.
Das ist genau die Art von Verlauf, nach der wir bei VELA™ suchen.
Denn Körperwahrnehmung ist keine kurzfristige Stimmung.
Sie ist eine Fähigkeit.
Und Fähigkeiten können trainiert, verfeinert und in den Alltag integriert werden.
4. Resilienz: +9 Prozent
Auch die Resilienz entwickelte sich positiv.
Der Median stieg von 66 auf 72 Punkte – eine Verbesserung von rund 9 Prozent.
Interessant ist dabei weniger die Größe des Effekts als sein Verlauf.
Resilienz ist keine Euphorie.
Sie beschreibt vielmehr die Fähigkeit, auch unter Belastung handlungsfähig zu bleiben.
Und genau deshalb ist dieser Parameter für uns relevanter als ein kurzfristiger Stimmungseffekt.
Wir wollen keine Menschen produzieren, die sich nach einer Breathwork-Session besonders gut fühlen.
Wir wollen Menschen ausbilden, die ihren eigenen Zustand besser verstehen und auch dann handlungsfähig bleiben können, wenn das Leben wieder anspruchsvoll wird.
5. Stress und Angst gehen deutlich zurück
Auch die klassischen Belastungsparameter zeigen deutliche Veränderungen.
Der wahrgenommene Stress reduzierte sich von 18 auf 9 Punkte.
Das entspricht einer Reduktion von 50 Prozent.
Die DASS-21-Werte für Stress reduzierten sich um 47 Prozent.
Die Angstwerte reduzierten sich sogar um 58 Prozent.
Und die Niedergeschlagenheit nahm um 56 Prozent ab.
Das negative Gefühlserleben reduzierte sich um 60 Prozent.
Gleichzeitig stieg das positive Gefühlserleben um 23 Prozent.
Diese Veränderungen sind interessant.
Aber auch hier ist uns wichtig, nicht nur auf die Größe der Veränderung zu schauen.
Denn der entscheidende Unterschied zu einer klassischen Vorher-Nachher-Messung ist:
Wir können sehen, was nach der Ausbildung passiert.
Warum VELA™ überhaupt 90 Tage misst
Die meisten Breathwork-Angebote müssen nicht beweisen, dass sich Menschen nach einer Session besser fühlen.
Das ist offensichtlich.
Doch:
Was passiert am nächsten Tag?
Was passiert nach zwei Wochen?
Was passiert nach drei Monaten?
Und genau deshalb ist die Integration kein Nebenthema von VELA™.
Sie ist ein Teil des Designs.
VELA™ wurde von Anfang an mit dem Anspruch entwickelt, nicht nur Breathwork zu vermitteln, sondern Menschen dabei zu unterstützen, die erlernten Fähigkeiten in ihr eigenes Nervensystem und ihren Alltag zu integrieren.
Deshalb messen wir nicht nur den unmittelbaren Zustand.
Wir messen die Entwicklung.
Und deshalb endet unsere Beobachtung auch nicht am letzten Ausbildungstag.
Die Ausbildung endet. Der Lernprozess nicht.
Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus dieser ersten Verlaufsmessung.
Am Ende der zwei Wochen ist nicht alles fertig.
Bei einigen Parametern scheint die Entwicklung danach sogar weiterzugehen.
Das ist genau das Gegenteil dessen, was man bei einem reinen Retreat-Effekt erwarten würde.
Der Retreat-Zustand verblasst.
Die Kapazität bleibt – und entwickelt sich teilweise weiter.
Was diese Daten nicht beweisen
So selbstbewusst wir die Ergebnisse betrachten, so klar wollen wir auch mit ihren Grenzen umgehen.
Diese erste Auswertung umfasst zwölf Personen und eine Gruppe.
Es gab bisher keine Kontrollgruppe.
Damit können wir nicht beweisen, dass die Veränderungen ausschließlich durch Breathwork verursacht wurden.
Zwei Wochen in unserer Ausbildung beinhalten viele Faktoren: Gruppe, Schlaf, Bewegung, Ernährung, Abstand vom Alltag und eine intensive Lernumgebung.
Auch die Teilnehmenden einer Ausbildung sind keine zufällige Stichprobe der Bevölkerung.
Und alle eingesetzten Instrumente beruhen auf Selbstauskünften.
Diese Daten sind deshalb kein Wirksamkeitsnachweis und keine klinische Studie.
Aber sie sind etwas anderes:
Eine erste, systematisch erhobene Verlaufsmessung darüber, was nach einer VELA™ Ausbildung passiert.
Was wir daraus für VELA™ ableiten
Die Konsequenz ist für uns relativ klar.
1. Integration ist kein Zusatz.
Sie muss Bestandteil einer Ausbildung sein.
Wenn die entscheidenden Fähigkeiten erst in den Wochen nach dem Ausbildungsblock sichtbar weiterentwickelt werden, muss die Ausbildung genau dafür Raum schaffen.
2. Der letzte Ausbildungstag ist nicht das Ende.
Er ist möglicherweise der Beginn der eigentlichen Integrationsphase.
3. Wir werden weiter messen.
Ab dem VELA™ Ausbildungsblock auf Mallorca im September 2026 erheben wir dieselben Instrumente erneut zu denselben vier Zeitpunkten.
Aus zwölf Teilnehmenden werden weitere Jahrgänge.
Aus einer ersten Beobachtung wird eine wachsende Datenbasis.
Und damit können wir irgendwann wesentlich besser beantworten, welche Veränderungen tatsächlich robust sind.
Genau dafür gibt es VELA™
Wir wollten von Anfang an mehr als eine weitere Breathwork-Ausbildung entwickeln.
Wir wollten eine Methode entwickeln, die nicht nur intensive Erfahrungen erzeugt, sondern Menschen befähigt.
Befähigt, ihren eigenen Zustand wahrzunehmen.
Befähigt, Belastung früher zu erkennen.
Befähigt, ihren Atem gezielt einzusetzen.
Befähigt, mit Aktivierung und Regulation bewusster umzugehen.
Und vor allem:
Befähigt, das Gelernte in ihr eigenes Leben zu integrieren.
Die ersten 90 Tage unserer Verlaufsmessung geben uns dafür einen bemerkenswerten Hinweis und das wollten wir mit VELA™ untersuchen.
Nicht, ob Menschen sich nach Breathwork anders fühlen.
Sondern ob sie danach anders mit sich selbst umgehen können.
Die ersten Daten sagen:
Es sieht sehr danach aus.
Jetzt wollen wir wissen, wie robust dieser Effekt ist.
Und deshalb messen wir weiter.
Auswertung: 12 Teilnehmende des VELA™ Ausbildungsblocks Korfu, März/April 2026. Vier Messzeitpunkte über 90 Tage. Instrumente: PSS-10, DASS-21, PANAS, RS-14, BAQ. Einarmige explorative Verlaufsbeobachtung ohne Kontrollgruppe; p-Werte unkorrigiert. Prozentangaben beziehen sich auf die Veränderung der Gruppenmediane von Tag 1 zu Tag 90. Die Ergebnisse sind nicht als klinischer Wirksamkeitsnachweis oder als Beleg für eine therapeutische Wirkung zu verstehen. Vollständiger Auswertungsbericht inklusive Einzelverläufen und Effektstärken auf Anfrage.