Allgemein

Breathwork im Überblick: Die wichtigsten Methoden und ihre Unterschiede

Pranayama, Rebirthing, Psychedelic Breath, holotropes Atmen, CCB: die sechs Familien des Breathwork im Überblick – mit Studienlage und der Einordnung von VELA™.

Alex Altmeyer
23. Oktober 2026   ·  22 Min. Lesezeit
Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Gruppen-Session: Ein Mann sitzt mit geschlossenen Augen und atmet, um ihn herum weitere Teilnehmende im Raum.

Pranayama. Holotropes Atmen. Rebirthing. Conscious Connected Breathwork. „Psychedelisches Breathwork“.

Wer sich mit Atemarbeit beschäftigt, steht schnell in einem Dschungel aus Begriffen. Vieles klingt ähnlich – und meint doch sehr Verschiedenes: eine Atemübung für drei Minuten vor einem schwierigen Gespräch. Eine jahrhundertealte Yogapraxis. Eine Session von mehreren Stunden, die tief in Gefühle und Erinnerungen führt.

Dieser Artikel ist eine Landkarte. Ich ordne die großen Familien der Atemarbeit, zeige, worin sie sich unterscheiden, und fasse zusammen, was die Forschung zu ihnen sagt. Erst danach geht es um VELA™ Breathwork und darum, wo es sich in dieser Landschaft einordnet.

Jeder dieser Wege hat seine Geschichte und seine Berechtigung. Die eigentliche Frage lautet: Welcher passt zu dir – und zu dem, was du gerade suchst?

Das Wichtigste in Kürze

  • Breathwork ist ein Oberbegriff für Praktiken, bei denen du deine Atmung bewusst veränderst, um Körper, Gefühle und Geist zu beeinflussen (Fincham et al., 2023).
  • Sechs große Familien lassen sich unterscheiden: Alltags-Atemtechniken, Pranayama, Rebirthing, „psychedelisches“ Breathwork, holotropes Atmen und Conscious Connected Breathwork (CCB).
  • Sie unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten: wie geatmet wird – langsam gelenkt, in Runden mit Atempausen oder durchgehend verbunden – und wofür: Regulation im Alltag, ein kraftvoller Reset im Moment oder eine tiefe Erfahrung bis hin zu einem veränderten Bewusstseinszustand.
  • Eine Meta-Analyse randomisierter Studien zeigt kleine bis mittlere Effekte von Breathwork auf Stress, Angst und depressive Symptome; ausgewertet wurden je nach Endpunkt 12, 20 und 18 Studien (Fincham et al., 2023). Am besten untersucht sind langsame Techniken; zu intensiven, verbundenen Formen wächst die Forschung seit 2024 deutlich (Havenith et al., 2025).
  • VELA™ Breathwork gehört zur Familie des Conscious Connected Breathwork. Es ist standardisiert, wird ohne Worte begleitet und stellt die Integration ins Zentrum: Was in der Session auftaucht, soll im Alltag ankommen (breathwork.de, 2026).

Was ist Breathwork?

Breathwork ist ein Oberbegriff für alle Praktiken, bei denen du deine Atmung bewusst veränderst, um Körper, Gefühle und Geist zu beeinflussen. Eine große Übersichtsarbeit beschreibt Breathwork als das Regulieren der eigenen Atmung, vor allem mit dem Ziel, die psychische, emotionale und körperliche Gesundheit zu fördern (Fincham et al., 2023).

Der Atem eignet sich dafür besonders gut. Er läuft Tag und Nacht automatisch – und du kannst ihn trotzdem jederzeit willentlich verändern. Damit ist er eine direkte Verbindung zwischen bewusstem Handeln und den automatischen Abläufen deines Nervensystems.

Im Sprachgebrauch begegnet dir der Begriff in zwei Bedeutungen:

  • Im weiten Sinn umfasst Breathwork jede bewusste Atempraxis: das langsame Atmen vor einem Gespräch, eine Atem-App, die Atemlenkung im Yoga.
  • Im engeren Sinn meint Breathwork längere, begleitete Sessions, in denen verbunden und intensiver als gewohnt geatmet wird, meist im Liegen und mit Musik. In der Forschung heißt das zum Beispiel „circular breathwork“ (Havenith et al., 2025) oder „high ventilation breathwork“ (Kartar et al., 2025).

Beide Bedeutungen sind gebräuchlich. Für die Orientierung hilft es zu wissen, welche gerade gemeint ist – denn zwischen einer Atemübung von drei Minuten und einer begleiteten Session von zwei Stunden liegen Welten.

Die Landkarte: sechs Familien der Atemarbeit

Für die Orientierung unterscheiden wir in diesem Artikel sechs überlappende Familien der Atemarbeit. Diese Einteilung ist ein redaktionelles Modell, keine abschließende wissenschaftliche Klassifikation. Zwei Fragen helfen dabei am meisten:

  1. Wie wird geatmet? Langsam und gezielt gelenkt, in Runden mit Atempausen – oder durchgehend verbunden, ohne Pause zwischen Ein- und Ausatmung und intensiver als gewohnt?
  2. Wofür? Für Regulation im Alltag – oder für eine tiefe Erfahrung, die bis zu einem veränderten Bewusstseinszustand reichen kann?
Landkarte der Atemarbeit: sechs Familien von Breathwork zwischen langsam gelenktem und verbundenem Atmen sowie zwischen Regulation im Alltag und tiefer Erfahrung, VELA Breathwork als Form von Conscious Connected Breathwork.
Die Landkarte der Atemarbeit: sechs Familien zwischen Regulation und Tiefe – schematisch.

Die Grenzen sind fließend. Pranayama etwa reicht von sanfter Wechselatmung bis zu kraftvollen, schnellen Techniken. Und innerhalb jeder Familie gibt es viele Schulen und Stile. Die Landkarte zeigt Schwerpunkte; ihre Ränder sind offen.

Die sechs Familien im Einzelnen

1. Alltags-Atemtechniken: kurz, gezielt, selbstständig

Das ist die Familie, die die meisten Menschen zuerst kennenlernen: kurze Techniken von wenigen Minuten, die du allein und mitten im Alltag anwenden kannst. Typische Beispiele:

  • Langsames Atmen und Resonanzatmung: Bei rund sechs Atemzügen pro Minute schwingen Herzfrequenz und Blutdruck so miteinander, dass die Herzratenvariabilität am stärksten zunimmt. Als wichtigster Mechanismus gilt der Barorezeptor-Reflex (Lehrer & Gevirtz, 2014).
  • Box Breathing: Einatmen, Halten, Ausatmen, Halten – jeweils gleich lang (Balban et al., 2023).
  • Zyklisches Seufzen: zweimal durch die Nase einatmen, dann lang durch den Mund ausatmen (Balban et al., 2023).
  • Aktivierende Techniken: beschleunigtes Atmen in Runden mit anschließendem Atemanhalten, bekannt vor allem durch die Wim-Hof-Methode. Trainierte Teilnehmende konnten damit – kombiniert mit Kälte und Meditation – ihr sympathisches Nervensystem gezielt aktivieren und ihre Immunantwort abschwächen (Kox et al., 2014). Geübt wird im Sitzen oder Liegen, nie im oder am Wasser und nie beim Autofahren (Wim Hof Method, o. J.). Atemtechnisch eng verwandt sind die Tummo-Meditation und Psychedelic Breath® (Familie 4).

Langsames Atmen ist die am besten untersuchte Form der Atemarbeit. Eine Meta-Analyse aus 223 Studien zeigt: Es erhöht die vagal vermittelte Herzratenvariabilität – während der Übung und danach (Laborde et al., 2022). In einer randomisierten Studie der Stanford University verbesserten schon fünf Minuten am Tag über vier Wochen die Stimmung; am stärksten wirkte das zyklische Seufzen (Balban et al., 2023).

2. Pranayama: Atemlenkung aus der Yogatradition

Pranayama ist die Kunst der Atemlenkung im Yoga. In den Yoga-Sutras des Patanjali ist es das vierte von acht Gliedern des Yogawegs (Yoga-Sutra 2.29). Schon dort steht die Empfehlung, den Geist über den Atem zu beruhigen, besonders über das Ausatmen (Yoga-Sutra 1.34, zit. n. Khalsa, 2022). Spätere Texte wie die Hatha-Yoga-Pradipika beschreiben konkrete Techniken, etwa die Wechselatmung (Khalsa, 2022).

Die Bandbreite ist groß (Khalsa, 2022):

  • langsam und beruhigend, etwa tiefe Bauch- oder „Ozean“-Atmung und ein verlängertes Ausatmen
  • über die Nasenlöcher gelenkt, etwa die Wechselatmung (Nadi Shodhana)
  • mit Klang, etwa Summen (Bhramari) oder das Chanten von OM
  • kraftvoll und schnell, etwa Kapalabhati oder Bhastrika

Pranayama ist eingebettet in einen Übungsweg, zu dem Körperhaltung, Konzentration und Meditation gehören. Gelernt wird es meist bei einer erfahrenen Lehrperson, geübt dann oft allein und regelmäßig. Eine Einheit dauert meist wenige Minuten, gelegentlich bis zu 30 Minuten. Einen eigenen Integrationsschritt wie in begleiteten Breathwork-Sessions gibt es in der Regel nicht; die Übung mündet oft in Stille oder Meditation. Eine Übersichtsarbeit beschreibt überwiegend positive Effekte auf Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel und kognitive Funktionen; unter Anleitung gilt Pranayama als sicher. Die Autoren wünschen sich zugleich größere und sorgfältigere Studien (Saoji et al., 2019).

3. Rebirthing: eine Wurzel des verbundenen Atmens

Rebirthing geht auf Leonard Orr zurück, der die Methode in den 1970er-Jahren in San Francisco entwickelte und verbreitete (Arnold, 2015). Im Zentrum steht ein kreisförmiges, verbundenes Atmen.

Der Name stammt aus einer Grundidee der frühen Rebirthing-Bewegung: Die eigene Geburt hinterlasse einen tiefen Abdruck, der in einem entspannten, sicheren Zustand wieder spürbar werden könne (Arnold, 2015). Spannend ist die Brücke zur Yogatradition: Der indische Lehrer Haidakhan Babaji soll Rebirthing als „amerikanische Form des Pranayama“ bezeichnet haben (Arnold, 2015).

Der verbundene Atem des Rebirthing prägt bis heute viele moderne Formen des Breathwork. Die neuere Forschung untersucht verbundenes Atmen meist schulübergreifend, unter Begriffen wie „circular breathwork“ (Havenith et al., 2025).

Gut zu wissen: Der Name „Rebirthing“ wird auch für umstrittene Techniken aus der Bindungstherapie mit Kindern verwendet. Mit Atemarbeit haben diese nichts zu tun (Arnold, 2015).

4. „Psychedelisches“ Breathwork: Atemrunden mit Pausen

„Psychedelisches Breathwork“ beschreibt Formate, die allein mit dem Atem ein Erleben anstreben, das an psychedelische Substanzen erinnert – oft als „Breathwork Journey“ angeboten. Im deutschsprachigen Raum ist vor allem Psychedelic Breath® bekannt (desired.de, o. J.).

Nach eigener Beschreibung nutzt die Methode die Tummo-Atmung aus dem tibetischen Buddhismus, verbunden mit elektronischer Musik und Anleitung (sunday.de, o. J.). Geatmet wird in mehreren Runden: schnell und kräftig, danach wird die Luft angehalten, dazwischen liegen Ruhephasen (desired.de, o. J.; sunday.de, o. J.). Die aktive Atemphase dauert rund 35 bis 40 Minuten, eine Journey insgesamt zum Beispiel 90 Minuten (Eversports, 2024).

Atemtechnisch eng verwandt sind die Wim-Hof-Methode, die mit Runden aus tiefen Atemzügen und anschließendem Atemanhalten arbeitet (Wim Hof Method, o. J.), und die tibetische Tummo-Meditation, zu der kräftiges Atmen und Atemanhalten gehören (Kozhevnikov et al., 2013).

Während der Atempausen steigt der CO₂-Gehalt wieder an (Citherlet et al., 2021). Wie weit sich der Gashaushalt dabei normalisiert, hängt jedoch vom Atemprotokoll und der Dauer der Pause ab. Eine vollständige Normalisierung vor der nächsten Runde lässt sich nicht pauschal voraussetzen. Im Conscious Connected Breathwork gibt es solche Pausen nicht: Der Atem fließt durchgehend, und das CO₂ sinkt in der aktiven Phase deutlich ab (Havenith et al., 2025). Diese dauert dort in der Regel 45 bis 90 Minuten, bei Psychedelic Breath® rund 35 bis 40 Minuten.

Im Vordergrund steht oft das unmittelbare Erleben: ein kraftvoller Reset, Energie und Wohlgefühl im Moment. Viele Teilnehmende fühlen sich danach deutlich erleichtert (sunday.de, o. J.).

Die Erfahrungen sind real und messbar. In einer Studie zu einem Online-Kurs, der schnelles Atmen mit Atemanhalten verbindet, zeigten Sessions mit psychedelisch anmutendem Erleben eine höhere Komplexität der Hirnsignale – ähnlich wie man es aus der Forschung zu Psychedelika kennt (Lewis-Healey et al., 2024).

5. Holotropes Atmen: Selbsterforschung in nicht-alltäglichen Zuständen

Holotropes Atmen wurde ab den 1970er-Jahren von Stanislav und Christina Grof entwickelt (Jencius, 2015). „Holotrop“ bedeutet sinngemäß „auf Ganzheit ausgerichtet“. Ziel ist die Selbsterforschung in nicht-alltäglichen Bewusstseinszuständen.

Eine Session verbindet mehrere Elemente (Grof & Grof, 1990; Jencius, 2015):

  • schnelleres und tieferes Atmen, ohne festgelegtes Muster
  • evokative Musik, die sich aufbaut, einen Höhepunkt erreicht und meditativ ausklingt – meist die intensivste Musik aller hier beschriebenen Ansätze
  • gezielte Körperarbeit, nur mit Erlaubnis der atmenden Person
  • das Malen eines Mandalas
  • ein Austausch in der Gruppe – Mandala und Austausch dienen der Integration (Grof & Grof, 1990)

Geatmet wird meist in der Gruppe, in Paaren: Eine Person atmet („Breather“), die andere begleitet („Sitter“), danach wird getauscht. Eine Session dauert mehrere Stunden (Grof & Grof, 1990; Jencius, 2015). Im Austausch danach lädt die begleitende Person dazu ein, die eigenen Einsichten weiter zu erkunden, statt sie von außen zu deuten (Grof & Grof, 1990).

Fachleute sehen in holotropem Atmen einen möglichen Baustein begleitend zur Psychotherapie und betonen, dass es dafür strengere Studien braucht (Rhinewine & Williams, 2007).

6. Conscious Connected Breathwork (CCB): der verbundene Atem

Conscious Connected Breathwork ist heute der gebräuchliche Oberbegriff für Formen, in denen der Atem ohne Pause zwischen Ein- und Ausatmung fließt: bewusst, verbunden, über längere Zeit. Meist liegst du dabei, Musik trägt die Session, und eine ausgebildete Person begleitet dich. Die aktive Phase dauert in der Regel 45 bis 90 Minuten, in einer EEG-Studie zum Beispiel 45 Minuten (Bahi et al., 2024). In dieser Zeit bleibt der Gashaushalt durchgehend verschoben, ohne Pausen, in denen er sich normalisiert.

Weil du dabei mehr atmest, als dein Stoffwechsel gerade braucht, sinkt das CO₂ im Blut. Genau das scheint die Tür zu veränderten Bewusstseinszuständen zu sein: Je tiefer das CO₂ fiel, desto tiefer war das Erleben (Havenith et al., 2025). Was dabei im Gehirn passiert, beschreibe ich ausführlich im Artikel Was passiert bei Breathwork im Gehirn?.

Die Tiefe dieser Zustände ist bemerkenswert: In bestimmten standardisierten Fragebögen ähnelten die berichteten Erlebnisse jenen, die in unabhängigen Vergleichsstudien nach einer mittleren therapeutischen Psilocybin-Dosis beobachtet wurden (Havenith et al., 2025). Dieser indirekte Vergleich betrifft die erfassten Erlebnisdimensionen und belegt weder eine Gleichwertigkeit der Gesamtwirkungen noch einen vergleichbaren therapeutischen Nutzen.

CCB ist die Familie, zu der die Forschung gerade am schnellsten wächst. In den letzten drei Jahren sind Studien mit EEG (Bahi et al., 2024), MRT (Kartar et al., 2025), CO₂-Messung (Havenith et al., 2025) und Herzratenvariabilität (Canello et al., 2026) erschienen.

Unter dem Dach von CCB gibt es viele Schulen mit eigener Handschrift – im Atemrhythmus, in der Musik, in Körperarbeit und Begleitung. VELA™ Breathwork ist eine davon.

Woher die Ansätze kommen: eine kurze Zeitleiste

Atemarbeit ist alt – ihre Erforschung ist jung. Die wichtigsten Stationen:

  • Klassische Yogatexte: Pranayama ist Teil des achtgliedrigen Yogawegs der Yoga-Sutras (Yoga-Sutra 2.29); die Hatha-Yoga-Pradipika beschreibt konkrete Techniken (Khalsa, 2022).
  • 1970er-Jahre: Leonard Orr entwickelt in San Francisco das Rebirthing (Arnold, 2015). Stanislav und Christina Grof beginnen, das holotrope Atmen zu entwickeln (Jencius, 2015).
  • 2014: Eine Studie in der Fachzeitschrift PNAS zeigt, dass Menschen mit Atemtechnik, Kälte und Meditation ihre Immunantwort beeinflussen können (Kox et al., 2014).
  • 2023: Eine Meta-Analyse aus 12 randomisierten Studien bündelt die Wirkung von Breathwork auf Stress (Fincham et al., 2023). Eine Stanford-Studie zeigt, dass fünf Minuten täglich die Stimmung heben (Balban et al., 2023).
  • 2024–2026: Mehrere Studien messen rund um verbundene Breathwork-Sessions: Hirnströme (Bahi et al., 2024; Lewis-Healey et al., 2024), CO₂ (Havenith et al., 2025), Hirndurchblutung im MRT (Kartar et al., 2025) und Herzratenvariabilität (Canello et al., 2026).
  • 2026: breathwork.de veröffentlicht das VELA™ Whitepaper und dokumentiert erste explorative 90-Tage-Verlaufsmessungen (VELA™ Whitepaper, 2026; Altmeyer, 2026).
Zeitleiste der Atemarbeit von den klassischen Yogatexten über die 1970er-Jahre bis zum veröffentlichten VELA Whitepaper und ersten explorativen 90-Tage-Verlaufsmessungen 2026.
Atemarbeit ist alt, ihre Erforschung ist jung.

Der Atem als Werkzeug: Worin sich die Familien unterscheiden

Sechs Stellschrauben machen den Unterschied:

  1. Atemmuster: langsam und gelenkt, in Runden mit Atempausen – oder durchgehend verbunden
  2. Intensität: wie viel mehr geatmet wird, als der Körper gerade braucht
  3. Dauer der aktiven Phase: wenige Minuten bis mehrere Stunden
  4. Begleitung: allein, mit einer Lehrperson oder mit einer ausgebildeten Begleitung
  5. Musik und Sprache: Stille, tragende oder dramatische Musik; mit oder ohne Anleitung per Stimme
  6. Integration: was nach dem Atmen geschieht, damit die Erfahrung einen Platz bekommt
Der Atem als Werkzeug: fünf Breathwork-Familien und VELA Breathwork im Vergleich anhand von Atemmuster, Intensität, aktiver Dauer, Begleitung, Musik und Integration.
Der Atem als Werkzeug: Unterschiede in den Breathwork-Familien – schematisch.
Familie Wie geatmet wird Dauer Setting Musik Typisches Ziel
Alltags-Atemtechniken langsam und gezählt; aktivierende Varianten schnell, mit Atemanhalten wenige Minuten allein, im Alltag, oft per App meist keine Regulation, Fokus, Energie
Pranayama gelenkt: langsam, über die Nasenlöcher, mit Klang oder kraftvoll wenige Minuten, gelegentlich bis 30 Minuten bei einer Lehrperson gelernt, oft allein geübt traditionell keine Sammlung, Meditation
Rebirthing verbunden, kreisförmig je nach Schule begleitet, einzeln oder in der Gruppe je nach Schule alte Prägungen spüren und lösen
„Psychedelisches“ Breathwork Runden aus schnellem, kräftigem Atmen und Atemanhalten aktiv rund 35–40 Minuten, Journey z. B. 90 Minuten Gruppe, Events, online elektronisch, treibend Reset und Wohlgefühl im Moment, nicht-alltägliches Erleben
Holotropes Atmen schneller und tiefer, ohne festes Muster mehrere Stunden Gruppe, in Paaren aus Breather und Sitter evokativ und dramatisch, meist die intensivste Selbsterforschung in nicht-alltäglichen Zuständen
Conscious Connected Breathwork, z. B. VELA™ verbunden, ohne Pause; bei VELA™ nasal ein, oral aus, in gleichmäßigem Rhythmus aktiv meist 45–90 Minuten; VELA™ rund 90 Minuten mit Integration liegend, mit ausgebildeter Begleitung; bei VELA™ ohne Worte je nach Schule; bei VELA™ ohne Gesangstexte tiefe Erfahrung, die im Alltag ankommt
Quellen der Tabelle: Fincham et al. (2023), Balban et al. (2023), Khalsa (2022), Arnold (2015), desired.de (o. J.), Eversports (2024), Grof & Grof (1990), Jencius (2015), Bahi et al. (2024), VELA™ Whitepaper (breathwork.de, 2026).

Bei allen Unterschieden teilen die Ansätze einen Kern: Sie nutzen den Atem als Zugang zum Nervensystem. Je nach Muster wirkt er eher beruhigend – langsames Atmen stärkt die vagal vermittelte Herzratenvariabilität (Laborde et al., 2022) – oder zunächst aktivierend: Intensives, verbundenes Atmen erhöht die Aktivität des Sympathikus (Kartar et al., 2025).

Was die Forschung sagt

Breathwork wirkt messbar – in einem realistischen Rahmen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 wertete randomisierte Studien mit Erwachsenen aus (Fincham et al., 2023):

  • Stress: 12 Studien mit 785 Teilnehmenden, Effektstärke g = −0,35
  • Angst: 20 Studien, g = −0,32
  • Depressive Symptome: 18 Studien, g = −0,40

Das sind kleine bis mittlere Effekte. Die Autor:innen warnen ausdrücklich vor einem Missverhältnis zwischen Hype und Evidenz: Viele Studien sind klein, das Verzerrungsrisiko ist moderat (Fincham et al., 2023).

Effektstärken von Breathwork laut Meta-Analyse: Stress minus 0,35, Angst minus 0,32, depressive Symptome minus 0,40, jeweils mit Konfidenzintervall.
Was Breathwork laut Meta-Analyse bewirkt (Fincham et al., 2023).

Je nach Familie ist der Forschungsstand sehr unterschiedlich:

  • Langsames Atmen hat die breiteste Basis: Eine Meta-Analyse aus 223 Studien zeigt, dass es die Herzratenvariabilität erhöht (Laborde et al., 2022). Auch in der Meta-Analyse zu Stress beruhten 10 der 12 Studien auf langsamen Techniken (Fincham et al., 2023).
  • Pranayama ist vielfach untersucht, mit überwiegend positiven Ergebnissen; gewünscht sind größere und strengere Studien (Saoji et al., 2019).
  • Schnelles Atmen war in der Meta-Analyse nur mit zwei Stress-Studien vertreten – zu wenige für eine belastbare Aussage. Auch das Sicherheitsprofil schneller Techniken muss weiter erforscht werden (Fincham et al., 2023).
  • Atemrunden mit Atemanhalten sind vor allem über die Wim-Hof-Methode untersucht (Kox et al., 2014; Citherlet et al., 2021). Zu psychedelisch anmutenden Zuständen gibt es erste EEG-Daten (Lewis-Healey et al., 2024).
  • Holotropes Atmen zeigt vielversprechende Hinweise; Fachleute fordern strengere Studien (Rhinewine & Williams, 2007).
  • Conscious Connected Breathwork erlebt seit 2024 eine Welle neuer Studien, meist mit kleinen Gruppen: 20 Teilnehmende im EEG (Bahi et al., 2024), 13 auswertbare MRT-Datensätze (Kartar et al., 2025), 18 Teilnehmende bei der Herzratenvariabilität (Canello et al., 2026). Eine Woche nach der Session berichteten aktiv Atmende von mehr Wohlbefinden – je tiefer die Erfahrung, desto größer der Zuwachs (Havenith et al., 2025).

Für alle Ansätze gilt: Die Forschung steht am Anfang. Seriöse Anbieter sprechen deshalb von Hinweisen und Studienergebnissen – und benennen deren Grenzen.

Wo VELA™ steht

VELA™ Breathwork gehört zur Familie des Conscious Connected Breathwork. Es ist eine standardisierte, integrationszentrierte Form des verbundenen Atmens, die wir bei breathwork.de entwickelt haben (breathwork.de, 2026).

Der Name kommt aus dem Lateinischen: vela ist die Mehrzahl von velum, das Segel. Das Bild dahinter: Die Methode schafft die Bedingungen – und der Atem trägt dich (VELA™ Whitepaper, 2026).

Geatmet wird durchgehend verbunden, in einem gleichmäßigen Rhythmus. Während der aktiven Phase wird ohne Worte begleitet, die Musik hat keine Gesangstexte, und auf das Atmen folgt eine stille Integrationsphase (VELA™ Whitepaper, 2026). Die Grundidee: Was in der Session auftaucht, soll aus dir selbst kommen – und danach in deinem Alltag ankommen.

Vieles davon teilt VELA™ mit anderen Ansätzen: den verbundenen Atem mit dem Rebirthing, die Zurückhaltung beim Deuten mit dem holotropen Atmen (Grof & Grof, 1990), die Verbindung von Atem und Nervensystem mit der Yogatradition. Kennzeichnend für VELA™ ist ein festes Gerüst: Jeder Schritt hat einen Grund, einen Standard und einen Sicherheitsrahmen (breathwork.de, 2026). Das ist ein beschreibbares Merkmal der Methode. Ob ein solcher Ablauf zu besseren oder nachhaltigeren Ergebnissen führt als andere Ansätze, ist damit nicht gesagt – das wäre eine eigene wissenschaftliche Frage.

Mehr dazu findest du auf der VELA™-Seite, im frei zugänglichen Whitepaper und im Artikel 90 Tage VELA™.

Welcher Ansatz passt zu mir?

Die beste Methode ist die, die zu deinem Anliegen passt. Eine erste Orientierung:

  • Du möchtest im Alltag schneller zur Ruhe kommen, abschalten oder dich fokussieren? Dann sind Alltags-Atemtechniken ein guter Start, etwa langsames Atmen oder zyklisches Seufzen, wenige Minuten am Tag.
  • Du suchst eine regelmäßige Übungspraxis mit Tradition und spiritueller Tiefe? Dann passt Pranayama – am besten bei einer erfahrenen Lehrperson gelernt und dann selbst geübt.
  • Du suchst einen kraftvollen Reset, Energie und Wohlgefühl im Moment? Dann passen Atemrunden mit Atemanhalten, etwa die Wim-Hof-Methode oder Psychedelic Breath®.
  • Du möchtest tiefer gehen – zu Gefühlen, Erinnerungen, einem veränderten Bewusstseinszustand? Dann sind begleitete Formen wie Rebirthing, holotropes Atmen oder Conscious Connected Breathwork dein Weg, nach einem Gesundheits-Check.
  • Dir ist wichtig, dass die Erfahrung im Alltag ankommt? Dann können integrationsorientierte Formate mit klarer Struktur passen, etwa VELA™ Breathwork.
  • Eine Kontraindikation wie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, Epilepsie oder eine Schwangerschaft trifft auf dich zu? Dann sprich vorab mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und frag nach sanfteren Alternativen (VELA™ Whitepaper, 2026).
Welcher Ansatz passt zu mir: fünf Anliegen und die jeweils passende Form der Atemarbeit, mit Hinweis auf Kontraindikationen.
Welcher Ansatz passt zu mir? Eine erste Orientierung.

Bei allen begleiteten Formen entscheidet vor allem die Qualität der Begleitung. Woran du sie erkennst, habe ich im Artikel Was macht eine gute Breathwork-Ausbildung aus? zusammengefasst.

Und die Wege ergänzen sich: In unserer Ausbildung lehren wir neben VELA™ Breathwork auch Alltags-Atemtechniken und Pranayama.

Viele Wege, ein Atem

Pranayama, Rebirthing, holotropes Atmen, Conscious Connected Breathwork, intensive Journeys: Jeder dieser Wege hat Menschen geholfen, sich selbst näherzukommen. Sie unterscheiden sich in Tempo, Tiefe und Rahmen – und sie teilen den Atem als Zugang.

Wenn du dich orientierst, nimm drei Fragen mit:

  • Was suche ich gerade?
  • Welcher Rahmen gibt mir Sicherheit?
  • Und was hilft mir, das Erlebte in meinen Alltag zu tragen?

Viele Wege führen über den Atem.
Wähle den, der dich trägt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Breathwork und Pranayama?

Breathwork ist der Oberbegriff für alle bewussten Atempraktiken (Fincham et al., 2023). Pranayama ist die Atemlenkung aus der Yogatradition und Teil des achtgliedrigen Yogawegs (Yoga-Sutra 2.29). Im engeren Sinn meint „Breathwork“ meist längere, verbundene Sessions mit Musik und Begleitung, Pranayama eine regelmäßige Übungspraxis mit gelenkten Techniken.

Was ist der Unterschied zwischen holotropem Atmen und Conscious Connected Breathwork?

Holotropes Atmen ist eine eigene Methode von Stanislav und Christina Grof mit festen Elementen: schnelleres und tieferes Atmen, evokative Musik, Körperarbeit, Mandala-Malen und Austausch in der Gruppe, über mehrere Stunden (Grof & Grof, 1990; Jencius, 2015). Conscious Connected Breathwork ist ein Oberbegriff für Formen, in denen ohne Pause zwischen Ein- und Ausatmung geatmet wird. Ablauf, Dauer und Musik hängen dort von der jeweiligen Schule ab.

Ist Rebirthing dasselbe wie Conscious Connected Breathwork?

Rebirthing ist eine der Wurzeln des verbundenen Atmens; Leonard Orr entwickelte es in den 1970er-Jahren in San Francisco (Arnold, 2015). Viele heutige Schulen des Conscious Connected Breathwork nutzen ebenfalls den verbundenen Atem und arbeiten mit eigenen Konzepten, eigener Musik und eigenen Formen der Begleitung.

Was ist „psychedelisches Breathwork“?

Der Begriff beschreibt Formate, die allein mit dem Atem ein Erleben ähnlich wie mit psychedelischen Substanzen anstreben. Bekannt ist vor allem Psychedelic Breath®: Runden aus schnellem, kräftigem Atmen und Atemanhalten, begleitet von elektronischer Musik (desired.de, o. J.; sunday.de, o. J.). Die aktive Phase dauert rund 35 bis 40 Minuten, und durch die Atempausen steigt das CO₂ zwischendurch wieder an (Citherlet et al., 2021); im Vordergrund steht oft ein kraftvoller Reset mit Erleichterung und Wohlgefühl im Moment.

Was ist der Unterschied zwischen Psychedelic Breath® und der Wim-Hof-Methode?

Atemtechnisch sind sich beide ähnlich: Sie arbeiten in Runden aus kräftigem Atmen und anschließendem Atemanhalten (Wim Hof Method, o. J.; desired.de, o. J.). Die Wim-Hof-Methode verbindet das mit Kälte und Meditation (Kox et al., 2014), Psychedelic Breath® mit elektronischer Musik und einer angeleiteten Journey (sunday.de, o. J.). Psychedelic Breath® beruft sich dabei auf die tibetische Tummo-Atmung, die ebenfalls kräftiges Atmen und Atemanhalten verbindet (sunday.de, o. J.; Kozhevnikov et al., 2013).

Ist Breathwork gefährlich?

Langsame Techniken sind für die meisten Menschen gut geeignet, und Pranayama gilt unter Anleitung als sicher (Saoji et al., 2019). Intensive Formen verändern die Körperchemie stark; bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Epilepsie, Schwangerschaft oder akuten Psychosen sind sie ungeeignet (VELA™ Whitepaper, 2026). Aktivierende Techniken mit Atemanhalten gehören nie ins Wasser und nie ans Steuer (Wim Hof Method, o. J.). Worauf du bei der Begleitung achten kannst, steht im Artikel „Was macht eine gute Breathwork-Ausbildung aus?“.

Wie lange dauert eine Breathwork-Session?

Das hängt von der Familie ab. Alltags-Atemtechniken dauern wenige Minuten, in einer Stanford-Studie fünf Minuten am Tag (Balban et al., 2023); Pranayama meist wenige Minuten, gelegentlich bis zu 30 Minuten. Bei Psychedelic Breath® dauert die aktive Phase rund 35 bis 40 Minuten, eine Journey insgesamt zum Beispiel 90 Minuten (Eversports, 2024). Im Conscious Connected Breathwork dauert die aktive Phase in der Regel 45 bis 90 Minuten (Bahi et al., 2024); holotrope Sessions dauern mehrere Stunden (Jencius, 2015).

Was bedeutet VELA™?

Vela ist Latein und die Mehrzahl von velum, das Segel. Der Name steht für die Idee, dass die Methode die Bedingungen schafft und der Atem den Menschen trägt (VELA™ Whitepaper, 2026). VELA™ Breathwork ist eine standardisierte, integrationszentrierte Form des Conscious Connected Breathwork von breathwork.de.

Was unterscheidet VELA™ Breathwork von anderen Formen des Conscious Connected Breathwork?

Viele Schulen des Conscious Connected Breathwork gestalten Ablauf, Musik, Begleitung und Integration jeweils auf eigene Weise. VELA™ verbindet den verbundenen Atem mit einem festen, standardisierten Ablauf: einem gleichmäßigen Atemrhythmus, Begleitung ohne Worte, Musik ohne Gesangstexte und einer stillen Integrationsphase nach dem Atmen (VELA™ Whitepaper, 2026). Im Zentrum steht die Frage, was von einer Erfahrung im Alltag bleibt (breathwork.de, 2026).

Quellen

VELA™ Breathwork

Die Methode dahinter verstehen.

VELA™ ist die erste standardisierte, integrations-zentrierte Methode für Conscious Connected Breathwork – offengelegt in einem wissenschaftlichen Whitepaper.

  1. 01Die MethodeWie VELA™ aufgebaut ist und warum jeder Schritt einen Grund hat.Zur Methode
  2. 02Das WhitepaperAblauf, Physiologie und Forschungsstand – offen und frei zugänglich.Whitepaper lesen
  3. 03Selbst erlebenSieben Tage, in denen du VELA™ Breathwork selbst erlebst.Zur Experience
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